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2. April 2009
Interview der Taucher-Magazine mit den Initiatoren der Initiative "Ein Herz für Taucher"
Manfred hat vor 2 Jahren einen guten Freund verloren. "Plötzlicher Herztod" sagten die Ärzte. Der Notarzt kam zwar nach 10 Minuten, aber das waren 5 Minuten zu spät...
"Während der Tauchlehrerausbildung kam mir das wieder hoch", erzählt Manfred, den sie dort alle Manni nennen. "Da wurde uns erzählt, dass ein AED (automatischer externer Defibrillator) Leben retten kann. Als unser Verbandsarzt dann auch noch erzählte, dass der plötzliche Herztod bei tödlichen Zwischenfällen – auch beim Tauchen – oftmals eine Rolle spielt, ist bei mir einiges klar geworden.“
Als sich kurz danach ein Kontakt zu einem Hersteller solcher Systeme ergab, machte Manfred Nägel mit Köpfen. Unterstützung fand er beim Vizepräsidenten der International Diving Association (IDA) Peter Klammroth und deren Verbandsarzt Ralf Busch. Die Idee für "Ein Herz für Taucher" war geboren.
"Das der plötzliche Herztod bei Wasserunfällen nicht selten ist, können wir mittlerweile statistisch recht solide untermauern", berichtet Ralf. "AEDs sind auch nichts Neues für den Tauchsport, doch sind noch viel zu wenig Tauchschulen und Tauchplätze sind damit ausgerüstet, wie es wünschenswert wäre."
Peter erklärt: "In der Tauchlehrer-Ausbildung ist der AED bei der IDA schon länger fester Bestandteil. Wir legen angesichts solcher Erkenntnisse unseren Tauchlehrern dringend nahe, sich einen AED zuzulegen und das Tauchen damit für sich und ihre Kunden sowie Schüler noch sicherer zu machen." Ralf meint dazu: "Eine solide Ausbildung in Erste Hilfe, Herz-Lungen-Wiederbelebung, 100% Sauerstoff und ein AED an jedem Tauchplatz, das ist mehr als ein grundlegendes Ziel."
Mit der Firma Cardiac Science haben sich die drei einen guten Partner aus der Industrie an die Seite geholt. "Das von uns vorgeschlagene Gerät hat keinen Knopf, den man drücken muss, keine verwechselbaren Elektroden, zickt nicht, wenn ich einen Eimer Wasser drüber schütte, hat genügend Reserven und solide Technik, um auch auf feuchtem Untergrund zuverlässig zu arbeiten. Deswegen sind genau diese Geräte auch die erste Wahl für viele Wasserretter, stehen an unzähligen Stränden und sind bei vielen Militärs weltweit im Einsatz", erläutert Ralf. Manfred ergänzt: "Das Ding kann auch mal vom Tisch fallen. Da passiert nix!"
Für Peter sind noch andere Dinge wichtig: "Das Gerät macht didaktisch alles richtig. Und auch für die Ausbildung der Tauchschüler in Herz-Lungen-Wiederbelebung ist es hervorragend einsetzbar." Auch ein anderes Problemfeld nimmt das Trio dabei ins Visier: Peter: "Ich kann nicht verstehen, dass immer noch so viele Taucher ins Wasser gehen, ohne sich darüber Gedanken zu machen, ob bei einem Zwischenfall auch 100% Sauerstoff am Tauchplatz sofort verfügbar ist." Mit einem Partner wird derzeit gemeinsam mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet. Ralf: "Demand-Systeme, wie der Taucher es vom Lungenautomaten kennt, plus zusätzlich Konstantflussoption mit 25 l/min Lieferleistung, Robustheit und geringes Gewicht stehen im Pflichtenheft."
So viel Engagement begeistert auch die IDA-Präsidenten Karsten Reimer und Horst Habermehl: "IDA-Tauchlehrer sind und waren schon immer sehr darum bemüht, das Tauchen zu einer spannenden und sehr sicheren Freizeitaktivität zu machen. Das haben wir auch bei Ausbildung und Prüfung immer wieder betont. Wir unterstützen "Ein Herz für Taucher" nach Kräften, und halten unsere Richtlinien immer auf dem aktuellen Stand. Sauerstoff und AED gehören unbedingt dazu."
Und in den Verkauf von Geräten einsteigen wollen die drei nicht. "Wir bleiben bei dem, was wir können: Das ist Ausbilden, Erklären und um die Sache werben. Das Verkaufen kann die Industrie besser. Aber die wissen nicht, was der Taucher spezifisch braucht und wissen muss. Und hier kommen wir ins Spiel", so Peter. Ralf fügt dem hinzu: "Und die Tauchlehrer ihrerseits sollen das ja an ihre Schüler weitergeben. Dafür wollen wir sie fit machen. Und wenn das den Schülern 5 oder 10 Euro wert ist, ist die Leasingrate schon bezahlt und gleichzeitig sind wir in der Tauchsicherheit einen großen Schritt weiter."
Manni nachdenklich: "Wir haben uns echt viel Kram angeschaut. Und das ist übrig geblieben, weil es uns wirklich überzeugt hat. Hätten wir so etwas schon vor 2 Jahren gehabt, könnte mein Kumpel noch leben." Und Manni nimmt seinen AED jetzt immer mit wenn er unter die Leute geht. Nicht nur zum Tauchen...
Wir danken Ralf Busch von der International Diving Association für die Ermöglichung des Interviews.